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Stand: 2002

Kajaken im Abel Tasman National Park


Abel Tasman National Park detaillierte Karte

Wegepunktliste für GPS



Der Abel Tasman Nationalpark liegt im Nordwesten der Südinsel Neuseelands. Eigentlich ist der Park wegen seines Küstenwanderwegs dem "Abel Tasman Coastal Track" bekannt, doch das Kajaken an der Küste in dem türkisfarbenden Wasser ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Viele Tour-Anbieter und Kajakverleiher haben sich hier etabliert. Im neuseeländischen Sommer kann es hier auch man etwas voller werden  ...
Der Vorteil, der daraus entsteht, liegt klar auf der Hand: man muß nicht sein eigenes Boot mitnehmen, man kann sich als Seekajakneuling einer sicheren Tour anschließen und es wurde eine Infrastruktur geschaffen, die man eben auch in der Nebensaison und mit eigenem Kajak nutzen kann ...

So findet man z.B. überall Plätze fürs Zelt, die mit Tischen, Bänken, Trinkwasser, Plumpsklos oder teilweise sogar WCs ausgesattet sind. Und außerdem fanden wir die Gespräche, die sich am Abend mit anderen Paddlern oder Wanderern ergaben, eher positiv als störend, als wir Anfang März 2002 mit unserem Faltboot dort waren. Und je weiter wir die Küste nach Norden fuhren, desto einsamer wurde es. Denn den Mietkajakfahren ist es im Allgemeinen nicht erlaubt, nördlicher als Tonga Island zu paddeln.

Hier eine Auswahl der Kajakverleiher, Touranbieter und Campingplätze (ohne Wertung):
Southern Exposure (Marahau) info@southern-exposure.co.nz www.southern-exposure.co.nz
Abel Tasman Kayaks (Marahau) info@abeltasmankayaks.co.nz www.abeltasmankayaks.co.nz
Kaiteriteri Kayaks (Motueka) abeltasman@seakayak.co.nz www.seakayak.co.nz
The Sea Kajak Company (Motueka) info@seakayaknz.co.nz www.seakayaknz.co.nz
Beach Camp (Marahau) joinus@abeltasmanmarahaucamp.co.nz www.abeltasmanmarahaucamp.co.nz
Beach Motor Camp (Kaiteriteri) kaiteritericamp@xtra.co.nz keine

Für jede Nacht, die man im Nationalpark übernachten will, muß eine Gebühr gezahlt werden. Es darf nur auf den dafür vorgesehenen Biwakplätzen übernachtet werden; die Gebühr muß für alle Nächte im Voraus bezahlt werden und entrichtet man am besten schon beim DOC (Department of Conservation = staatliche Behörde), im Tourist Information Office in Nelson oder in Motueka. Man muß sich aber nicht im Vorraus festlegen, wann man wo und wie oft übernachten möchte. Wenn man länger bleibt als geplant, kann man bei den Rangern, die im Nationalpark stichprobenartig Kontrollen vornehmen, die fehlende Anzahl der Nächte mit einer höheren Gebühr nachzahlen. Die Kosten lagen 2002 bei 7NZ$ pro Person pro Nacht. Die "nachbezahlte" Nacht kostet 9NZ$ p.P. pro Nacht.

In den Info-Büros kann man auch die passende Nationalpark Karte (Parkmap Abel Tasman Nr. 273-07) im Maßstab 1:50.000 für 14,50NZ$ kaufen. Die Karte ist ausreichend, obwohl sie ursprünglich nur für Wanderer des Coastal Tracks gedacht war und nicht für Seekajakfahrer. Da es aber auf der Strecke keinerlei relevante Seezeichen gibt, sind die angegebenen Informationen bezüglich Schutzzonen um Tonga Island und Biwakplätzen wichtiger und hilfreicher als eine reine Seekarte. Wer noch günstiger davon kommen will, nimmt sich im Info-Zentrum nur die kostenlose Touristenkarte des National Parks mit. Auch dort sind alle wichtigen Stationen eingezeichnet, zusätzliche Piktogramme weisen auf Atraktionen hin und die Karte enthält die Fahrpläne der Wassertaxis.

Außer den Übernachtungen und den Karten sollte man sich noch die Tidenzeiten notieren und eine Uhr mitnehmen; immerhin hat man an der Küste einen Tidenhub von ca. 3m. Meist werden einem nur die Hochwasserzeiten genannt. Um die Niedrigwasserzeiten hinreichend genau zu errechen, zieht man sechs Stunden ab oder addiert sechs Stunden dazu. Und man sollte in Nelson oder Motueka die Lebensmittel für die Tour besorgen, später wird die Auswahl gering und die Preise steigen.

Felsen paddeln
Als wir alles zusammen hatten, haben wir uns auf dem Beach Motor Camp in Kaiteriteri einquartiert und durften dort auch unser Auto für acht Tage kostenlos abstellen. Es wird in Neuseeland angeblich viel in Autos eingebrochen, es ist also ratsam, keine Wertgegenstände im Auto zu lassen. Im März war der Campingplatz angenehm leer, wenn im neuseeländischen Sommer (Dezember, Januar) die Schulkinder Ferien haben, platzt das Motor Camp aber aus allen Nähten. Der Ort Kaiteriteri besteht eigentlich nur aus dem Motor Camp, dem dazugehörigen Laden und dem Strand direkt davor !
Tourismuskarte vom Abel Tasman National Park

.....1. Tag
Viele Kajaker setzten erst in Marahau ein, wir wollten aber den beeindruckenden (zumindest in den Werbeblättern) Felsen namens 'Split Apple Rock' zwischen Kaiteriteri und Marahau nicht verpassen. Wir paddelten also an besagtem Felsen und ebenso an Marahau vorbei und steuerten direkt auf die Inseln Fisherman Island und Adele Island zu. Wir umrundeten beide und schlugen dann in der Stilwell Bay unser erstes Nachtlager auf. Der Tag war einmalig schön, die Sonne schien, das Wasser hatte eine tolle Farbe und der Wind wurde erst stärker als wir schon unser Zelt aufgebaut hatten. Von dem Platz selbst waren wir allerdings etwas entäuscht: für 14$ hatten wir schon besseres bekommen als ein drei Meter breites Stück Sandstrand, denn viel mehr blieb bei Flut nicht, und ein dreckiges Plumpsklo - dafür waren wir abends allein. Die vielen Mietkajaks wurden per Wassertaxi abgeholt, nachdem die Paddler auf Befehl ihres Teamführers wegen des starken Gegenwindes zu Fuß abmarschiert sind.


Split Apple Rock

Stilwell Bay mit Blick auf Adele Island
.....2. Tag
Am nächsten Tag bogen wir um Pitt Head, erkundeten die Torrent Bay und gingen in der Sandfly Bay in die Mause-Gezeiten-Falle. Mit der Flut bogen wir von der Küste ins Landesinnere ab, um den Falls River zu erkunden. Da war aber schon nach wenigen hundert Metern Schluß; große Steine blockierten den Weg, dahinter floß nur noch ein kleiner Bach, darüber war eine Hängebrücke des Coastal Tracks. Als wir zurück kamen, hatte der Fluß sich vor seiner Mündung ins Meer hinter einer Sandbank seeartig verbreitert. der einzige Zugang, durch den wir auch hereingekommen waren, war durch die gestiegene Flut zu einem reißenden Fluß geworden. Die Strömung war so stark, daß wir nicht dagegen an paddeln konnten. Mietkajak-Paddel-Kollegen, die ein Riesenspaß hatten (bis auf den, der gekentert ist), vom Meer zu uns vorzudringen, zogen einfach ihre leeren Boote über die Sandbank zurück ins Meer. Das ging mit unserem vollbeladenen fast 100kg schweren Faltboot nicht. Wir warteten also etwa eine Stunde geduldig, bis die immer noch steigende Flut einen großen Teil der Sandbank überspült hatte, die Zufahrt dadurch breiter und die Strömung weniger wurde. Wir fuhren dann um South Head und schlugen unser Zelt in der Bark Bay auf. Da hatten wir das große Glück, diesen Luxusplatz mit Duschen, WCs, Bänken, Tischen und Feuerstellen mit verschieden Schulgruppen, bestehend aus ungefähr 400 Jugendlichen, zu teilen. Aber auch die schliefen irgendwann nachts ein und kurz darauf auch wir ...

Falls River Inlet

Hängebrücke über den Falls River

.....3. Tag
Am nächsten Morgen kammen wir nicht so richtig aus dem Zelt und waren erst um 10:00 auf dem Wasser; ab Foul Point hielten wir direkt auf Tonga Island zu. Dort tummeln sich jede Menge Kormorane (Shags), Seehunde und Touristen. Beeindruckend, so dicht die Seehunde beobachten zu können - sie lagen auf den Felsen und schwammen im Wasser, oft auf dem Rücken. Bei unserer zweiten Inselumrundung spricht uns plötzlich ein neuseeländischer Kajaktourführer wegen unseres Klepper Faltbootes an. Er kannte die ganze Geschichte von Hans Klepper und den 'German folding boats'. Wir haben uns noch eine ganze Weile nett unterhalten, bis wir dann endgültig weiter sind. Wir sind bei kräftigem Gegenwind um den großen Landvorsprung herum, bis wir dann um den Awaroa Head nach Westen in die geschütze Awaroa Bay einbiegen konnten. In der Waiharakeke Bay verbrachten wir unsere dritte Nacht. Ein nicht ganz unkomplizierter Biwakplatz: der Platz liegt ca. 100m im Landesinneren und alle Sachen müssen vom Strand durch einen eiskalten Creek hindurch bis zum Lager geschafft werden, wo einen dann die Sandflies auffressen. Sandfliegen sind  winzigkleine, schwarze Tierchen, die in großen Schwärmen um einen herum sausen und beißen. Da sie sich hauptsächlich in Bodennähe aufhalten, sind Fuß, Fußknöchel und Knie besonders beliebt. Vom Biß merkt man eigentlich nicht viel, aber nach ein paar Tagen, fangen die Stellen fürchterlich an zu jucken und man sieht aus als hätte man die Masern. Die einfachen Insektenschutzmittel helfen nicht viel, entweder man greift auf ein Mittel mit dem in Deutschland nicht angebotenem, sehr wirkungsvollem Inhaltsstoff DEET (Achtung greift Plastik an) zurück oder man bedeckt freie Körperstellen. Um möglichst wenige dieser Quälgeister im Zelt zu haben, sind wir jeweils mit einem Hechtsprung in und aus dem Zelt - mit zunehmendem Alter ist aber dabei die Verletzungsgefahr aber nicht zu unterschätzen :-)


Felsenküste

Kormorane
.....4. Tag
Weiter ging es nach Norden, erst eine kurze Pause in Totaranui (Trinkwasser auffüllen, anderes entleeren und Süßigkeitenverkaufsstandversuchung widerstehen) und weiter bis zum Separation Point. Auch dort lebt eine Seehundkolonie. Hier gab es weniger Touristen und so konnten wir die Seehunde recht lange ungestört beobachten. Wir sind dann noch weiter gepaddelt, um die Spitze von Seperation Point und dann wieder zurück zur Mutton Cove. Ein schöner, ruhiger Platz mit einem tollen Strand.


Blick auf Seperation Point

Strand bei Totaranui

.....5./6. Tag
Rückweg ... erst Totaranui, dann Awaroa Head. Gleich dahinter haben wir uns am Onetahuti Beach mit Blick auf Tonga Island breit gemacht. Der Platz mit etlichen Tischen, Bänken und vier WCs ist luxiriös und beliebt. Aber wir waren froh, auf diesem netten Plätzchen gelandet zu sein, denn die durch den Rückenwind verursachten Wellen waren äußerst heftig, zumal wir die Gezeitenströmung gegen uns hatten und wir daher kaputt und müde waren. Am nächsten Morgen hatten wir immer noch keine Lust weiterzupaddeln und legten einen Faulenzertag ein - wir blieben eine weitere Nacht.


Blick auf Tonga Island

neugierige Seehunde

.....7. Tag
Wir sind früh aufgestanden, haben gepackt und sind weiter Richtung Süden. In Bark Bay haben wir angehalten um frisches Wasser zu besorgen. Als wir um South Head herum waren fällt mir plötzlich auf, daß ich gar keine Schwimmweste mehr an habe ... hektisches suchen, die Weste liegt auf den Oberdeck hinter mir - gut, daß ein Faltboot so ruhig und stabil im Wasser liegt !
Mit Schwimmweste gings dann weiter um North Head, Pitt Head bis in die Watering Cove (der Ort wurde so genannt, nachdem einer der alten Entdeckerkapitäne (Cpt. Cook, Abel Tasman oder sonstwer) dort Wasser gebunkert hat). Wir sind noch eine Ecke weiter zum Observation Beach. Dort sind einige Terrassen für die Zelte in den Busch gearbeitet; wir konnten im Zelt liegen und das Meer sehen. Der leichte Wind, der tagsüber geweht hatte war vollkommen abgeflautet. Am Abend haben wir noch eine ganze Weile in den Sternenhimmel geschaut bevor wir in die Schlafsäcke krabbelten.


Observation Beach
.....8. Tag
Der Morgen war wieder sonnig, aber Wind und Brandung waren kräftig. Eine andere Gruppe von Paddlern am Observation Beach, wollte unbedingt aufbrechen - einer von ihnen kenterte in der Brandung und mußte zurück zum Strand. Beim zweiten Versuch klappte es besser. Wir warteten weiter: nach einer erdachten Theorie sollte die Brandung mit einsetzten der Flut niedriger werden - den Wellen dort war die Theorie leider unbekannt ...

Gegen Mittag hielt eine Gruppe von drei Kajaks auf den Strand zu, durch die hohen Wellen auf See wurde es ihnen draußen zu ungemütlich; wir versuchten sie zu warnen, ohne Erfolg. Alle Boote kenterten, Signalraketenpistole, Lenzpumpe, EPIRB, Kleidung, Eßsachen - alles schwamm um die Kajaks herum. Den vollgelaufenen Zweier konnten wir mit vier Personen nicht aus dem Wasser ziehen. Aber nach fast einer Stunde war dann das gesamte Material nebst Besatzung sicher am Strand und lag zum trocknen in der Sonne.
Eine weitere Stunde später nahm der Wind an stärke weiter zu, aber die Brandungswellen wurden gleichmäßiger; unser Kajak war so schwer, daß wir normalerweise nur parallel zur Uferkante einsetzten - bei diesen Wellen unmöglich. Aber die anderen Paddler halfen uns das Faltboot mit dem Bug voran - und Maren schon drin - ins Wasser zu schieben. Draußen ging es auf und ab, es blieb aber unspektakulär und nach einer Weile kamen wir nach insgesamt 90km wieder am Ausgangspunkt in Kaiteriteri an .  Unser Auto war noch da (sprang allerdings nicht an), die Sonne schien und wir blieben noch zwei weitere Tage.

.....E N D E